Liebe deinen naechsten, wie dich selbst

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Heute fand in Elmshorn der 10. Hospiz- und Palliativtag Schlewsig-Holstein statt. Eine sehr sehr wertvolle Veranstaltung mit tollen Dozenten, wie z.B. Frau Dr. med. Miriam Haagen und einem wunderbaren Publikum mit so vielen Ehrenamtlichen (..zu denen ich als Hospizbegleiterin bei den Johannitern ja auch zaehle)

Das Grusswort der Tagung kam von Dr. Hermann Ewald, der mit freundlicherweise seine Worte zur Verfuegung gestellt hat, auch mit der Erlaubnis sie hier teilen zu duerfen. Dr. Ewald, ich danke Ihnen dafuer!!

Ich moechte auch nicht mehr viel dazu sagen, nur, mit der Bitte, das eigene Herz zu oeffnen und die nachfolgenden Worte auf sich wirken zu lassen .. :) Danke

"Auf einer Autofahrt zum Bereitschaftsdienst habe ich vor kurzem in einem Radiogottesdienst eine interessante andere Übersetzung des Satzes: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ gehört.

Sie hieß:

„Liebe Deinen Nächsten, denn er ist wie Du.“
Das hat mich nachdenklich gemacht, um nicht zu sagen erschreckt.

Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst, das kannte ich, das kenne wir ja alle. Gerade wir Helfer.

Und ebenso die Sprüche dazu: Erst einmal daran arbeiten sich selbst zu lieben. Pfleglich mit sich selbst umzugehen, denn das fällt uns ja oft schwer.Und dann in Ruhe schauen, wie sich das auf den seltsamen Begriff „Nächsten“ übertragen lässt.

Obwohl, das ist bei uns ja einfach, den Kranken, den Sterbenden, den Angehörigen, - den Flüchtlng, den kranken Flüchtling, den verzweifelten Flüchtling. Ups? Kurz auf den Verkehr geachtet und ohne zu überlegen gleich Gedanken aus den Nachrichten eingebaut. Manchmal denkt das Hirn beim Autofahren auch alleine.

Aber nochmal zurück zu dieser anderen Übersetzung:

Liebe Deinen Nächsten „denn er ist wie Du“? Ich habe mich immer wieder gefragt, was das heißen soll? Wie ich? Quatsch!

Der Flüchtling, der Kranke, der Sterbende, - wie ich, bloß nicht. Da bin ich doch ganz anders - zum Glück.

Ich müsste ja sonst Angst kriegen.

Oder vielleicht doch - wie ich?
Das könnte ja auch einfach heißen: er kann sich freuen wie ich. Ok, stimmt, das kann ich nachvollziehen.

Und er kann sich ärgern wie ich, ja -
obwohl, also, das hieße ja dann auch, er - „darf“ - sich ärgern?
Ich darf das ja, weil mein Ärger auch berechtigt ist. Aber dann müsste ich ja überlegen, ob sein Ärger vielleicht auch berechtigt wäre - oha, das wird dann schon kritischer für mich.
Aber egal, nochmal weiter gedacht:

... denn er ist wie ich.

Das hieße dann auch, er hätte geheime Gedanken. Solche, bei denen er nicht antworten würde, wenn er danach gefragt wäre. Und er dürfte dann schweigen.

Mein Vordermann bremst plötzlich, ich passe auf die Straße auf und beim Weiterdenken hat sich der Satz plötzlich umgedreht in meinem Kopf.

Liebe Deinen nächsten, denn Du bist wie er. ... denn Du bist wie er?
Unglaublich, was die Gedanken so verzapfen, wenn man sie auch nur einen kurzen Moment alleine lässt.
Aber einmal gedacht, verschwinden solche Sätze ja nicht mehr. Und speziell wenn ich im Auto sitze oder am Klavier und immer wieder abgelenkt werde durch den Verkehr oder die Noten, dann denkt der Kopf immer wieder alleine weiter, unkontrolliert. Und das kann auch gefährlich werden.

Ich soll sein wie er?
So schwach?
So ängstlich?
So verletzlich?
So krank?
So sterblich???

Gemeinsam sind wir - schwach?
Hmm, was einem so in den Sinn kommen kann.
Gemeinsam sind wir schwach.
Aber, wenn ich ein wenig darüber nachdenke, dann klingt das auch irgendwie richtig.

Na, beinahe die Ausfahrt verpasst. Als ich wieder auf der richtigen Strecke bin geht mir ein neuer Satz durch den Kopf im Zusammenhang mit: gemeinsam sind wir schwach. Nämlich:

Sterbende pflegen Sterbende.
oder
Lebende pflegen Lebende.

Stimmt, wenn man es näher betrachtet, ist es genau so.

Nochmal zurück zu unserem Motto gemeinsam begleiten.
Wenn man die ganzen Gedanken zusammen nimmt könnte man auch sagen:

Gemeinsam ein Stück des Weges gehen.
Sich als Menschen begegnen,
jeder mit seiner Stärke und mit seiner Schwäche,
mit seiner Verletzlichkeit und seiner Liebe.
Mit seiner Profession im Rucksack, aber ohne diese immer vor sich her zu tragen.
Mal der eine vorweg, mal der andere.

Gemeinsam begleiten, ja.
Und gelungene Begleitung bedeutet: gemeinsam ein Stück des Weges gegangen zu sein."

Mit freundlicher Genehmigung zur Veroeffentlichung von Dr. Hermann Ewald.

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