Schritt 3: Zuhoeren

Zuhoeren ist eigentlich gar nicht so schwer.

Schwierig wird es erst, wenn wir uns verschliessen, wenn wir vom Standpunkt der Erfahrungen aus handeln.

Wenn wir es schaffen so neugierig und unbedarft wie ein Kind dem gegenueber zuzuhoeren, dann werden wir so viel mehr ueber ihn erfahren.

 

Lass deinen Gegenueber sein, wie er ist. Handle von dem Standpunkt aus:

 

"Ich weiss nicht, wie es ist Du zu sein. Erzaehl mir davon. Ich bin neugierig (und hoere dir zu)."

 

Dein Gegenueber wird dankbar sein..

..Fuer das offene Ohr.

..Fuer Praesenz.

..Fuer Zeit.

..Fuer Offenheit.

..Fuer Ehrlichkeit.

..Fuer Wertfreiheit

..Fuer die Moeglichkeit den eigenen Gedanken Raum zu geben.

 

Was ich mich gerade frage ist, auf welchem Ohr man beim Coachen lauscht.

Auf welchem Ohr??

Oh bevor ich etwas zu Schulz von Thun schreibe, muss ich noch einen kleinen Satz zum Zuhoeren einwerfen, denn:

 

Wie viele Ohren hast du? .. zwei .. und wie viele Muender? .. richtig, einen!

Und in diesem Verhaeltnis sollte man Reden/Zuhoeren :) Denk beim naechsten Gespraeh mal dran!

 

So und nun zu Schulz von Thun.

 

Friedemann Schulz von Thun ist ein deutscher Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, er hat die vier Ohren Kommunikatinsmodell entwickelt (ich verfasse nochmal einen separaten Artikel ueber ihn).

Jeder hat die Moeglichtkeit auf einem oder mehreren dieser vier Ohren zu lauschen oder auch aus dieser Richtung zu sprechen.

 

Um diese vier Ohren geht es:

 

Das Sach-Ohr

Das Appell-Ohr

Das Selbstoffenbarungs-Ohr

Das Beziehungs-Ohr

 

Hinter dem Sach-Ohr verbirgt sich ganz neutral ein Sachverhalt.

Das Appell-Ohr ist eine "versteckte" Aufforderung.

Das Selbstoffenbarungs-Ohr sagt etwas ueber den Sprecher.

Und das Beziehungs-Ohr gibt wieder, was der Sprecher ueber den Zuhoerer denkt.

 

Das schoene ist wirklich, dass alle vier Ohren fuer beide Seiten gelten.

 

Hier ein Beispiel:

A und B stehen mit dem Auto an einer Ampel, die gerade auf Gruen umgesprungen ist.

 

A sagt: "Es ist gruen!"

 

Na, wie kann das jetzt gemeint sein?

 

Bei B kann es nun so ankommen:

 

Sach-Ohr: "Es ist gruen." Neutral. Sachlich. Danke fuer die Info ;)

Appell-Ohr:  "Jetzt fahr doch endlich!" Eine Aufforderung, sich doch endlich in Bewegung zu setzen

Selbstoffenbarungs-Ohr: A ist ungeduldig und wuerde vielleicht sogar am Liebsten selbst fahren.

Beziehungs-Ohr:   B kann sich angegriffen fuehlen und mit "Faehrst du oder ich??" reagiere.

 

So, aber wie machen wir das nun beim Zuhoeren? Gar nicht so einfach oder? Nehmen wir Abstand von dem Ampelbeispiel und stellen uns eine Familiensituation vor .. alles geht.

 

Manchmal wuerde ich mir in solchen Situationen am Liebsten auf die Zunge beissen, weil ich direkt auf dem Beziehungs-Ohr gelauscht habe und so reagieren will, aber macht es die Situation besser? Selten.

Ich habe gelernt, dass es schwerer aber auch besser ist, inne zu halten und zu reflektieren, also AKTIV zuzuhoeren.

"Ich habe dich sagen hoeren, dass ….  … habe ich das richtig verstanden?"

So kann ich die Worte des Gegenueber testweise anprobieren und vermeide gleichzeitig Missverstaendnisse, weil mein Gegenueber Gelegenheit hat das Gesagte gegebenenfalls richtig zu stellen/zu korrigieren. Dann kann ich von einer liebevollen* Position  antworten,  ohne den Gegenueber sofort in eine Erfahrungsschublade zu stecken. Ich gehe auf ihn ein und nehme ihn als Ganzes wahr.

 

Denn, erwarten wir das Gleiche nicht auch von unserem Zuhoerer?

 

*liebevolle Position: Hierzu wird es noch einen anderen Blogpost geben. Stay tuned :)

 

Jetzt im Nachhinein .. Ich habe uebers Zuhoeren geschrieben, aber eigentlich meine ich doch das HINhoeren. Also.. es wird noch einen zweiten Teil geben. Richtig Hinhoeren.

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